Start in Seattle und Everett

Man kann die Reise gleich mit einer Besichtigung beginnen: in Everett, ca. 50 km nördlich von Seattle, liegen die Boing Werke und dort befindet sich auch das Future of Flight Aviation Center. Die Besichtigungstour des Geländes erfolgt mit dem Bus, allein die größte Fertigungshalle von Boing bedeckt eine Fläche von 39 ha und misst einen Umfang von 4 km. In dieser Halle werden die Jets 747, 767, 777 und 787 montiert, ein Film im großen Kinosaal zeigt die Abläufe. Naturgemäß ist der Besucherandrang zwischen Juli und September am größten, besonders die Wochenenden sind besser zu vermeiden (futureofflight.org).
 
Tipp: Hier oder spätestens in Arlington sollte man nochmal tanken, im National Park gibt es keine Tankstellen.

North Cascades National Park

Bei Arlington geht’s dann allmählich in die Berge, Ortschaften werden Mangelware, nur ab und an säumt ein Haus die Straße. Bei Rockport mündet die 530 auf den Highway 20, den North Cascades Hwy, eine als „Scenic“ besonders ausgewiesene Strecke (cascadeloop.com). Entlang reißender Flüsse im Frühjahr nach der Schneeschmelze, durch dichte Mischwälder und vorbei an steilen, manchmal bedrohlich überragenden Felsen windet sich im nördlichen Teil die gut ausgebaute Straße durch die Berge bis zum 1.700 m hohen Washington Pass. Die umliegenden Gipfel und die dazwischen schimmernden Gletscherseen wirken wie unberührt, nur die vielen Strommasten zeigen, dass sich der Mensch die Natur nutzbar gemacht hat. Von hier wird der Großraum Seattle mit Energie versorgt. Starker Schneefall im Winter kommt häufig vor, deshalb ist der Abschnitt zwischen Newhalem und Mazama von Mitte November bis Mitte April geschlossen. Viele Wanderwege (trails), insgesamt rd 600 km, sind in diesem North Cascades National Park ausgewiesen, dessen Reiz über 300 Gletscher, zahllose Wasserfälle und tiefe Schluchten ausmachen (nps.gov/noca).

Westernstadt Winthrop und Omak

Erst der Hwy 20 hat Winthrop wieder zum Leben erweckt. Der kleine Ort war im Begriff eine Geisterstadt zu werden, die Straße weckte Ideen und Kreativität und so wurde das alte Flair der Gründungszeit der 1880er Jahre wieder hergestellt. Der Aufwand hat sich gelohnt, Touristen legen hier gern einen Stopp ein und bevölkern die vielen kleinen Restaurants und den “Beer Garden”.  Natürlich gibt es passend zum Image als Westernstadt auch ein Rodeo, Ende August ist die Stadt wieder fest in den Händen von Cowboys & Girls.
Am 2. Wochenende im August sind im benachbarten Städtchen Omak die Cowboys versammelt, dann findet hier die Omak Stampede und das Suicide Race statt (omakstampede.org). Die viertägige Country- und Rodeoshow zieht Tausende von Besuchern an, was zu Problemen mit einer Unterkunft führen kann. Die meisten kommen allerdings mit ihren Campern.

Coulee Dam

Der größte Staudamm der USA staut den Columbia River in einer Landschaft, die außer sanften Hügeln nicht viel aufzuweisen hat. Aber die Besichtigung der Staumauer und die abendliche Laser-Light-Show bieten durchaus Anreize, hier einen Stopp einzulegen. Immerhin ist diese Staumauer 165 m hoch und hat eine Länge von 1,59 km, im Grand Coulee Dam Visitor Center kann man sich umfassend über die Technik informieren und von dort aus an einer geführten Tour teilnehmen (grandcouleedam.org).
 
Hinweis: Seit 2006 findet Anfang September ein Triathlon rund um den Ort Grand Coulee statt, dann sind die wenigen Motels meist ausgebucht (thegrandcolumbian.com).

Abstecher zur Lake Roosevelt National Recreational Area

Auf dem Weg nach Spokane bei Davenport gibt es eine Straße Richtung Kettle Falls, sie führt am Franklin Delano Roosevelt Lake entlang. Im Lake Roosevelt gibt es heute wieder einige Lachse, aber die vielen Angler und Fischer an diesem beliebten Ausflugsziel finden eher Forellen an der Angel. Der Stausee und die ihn umgebende Lake Roosevelt National Recreational Area umfassen ein Gebiet von rd 40 000 ha, im Park gibt es 27 Campingplätze und 22 Bootsverleiher, allerdings führen nur wenige Stichstraßen an den langgestreckten See mit einer gesamten Uferlänge von 965 km (nps.gov/laro). Die zusätzliche Strecke bis Kettle Falls und dann über den Hwy 395 nach Spokane umfasst 260 km.

Spokane

Die zweitgrößte Stadt Washingtons ist eine beliebte Einkaufsstadt, jede Menge Malls und Geschäfte sind hier zu finden. Aber auch ein historischer Kern mit interessanten Baustilen, viele kleine Galerien und die Wasserfälle mitten in der Stadt lohnen einen längeren Aufenthalt (mehr unter Städte) (visitspokane.com).

Der Weg ins Yakima Valley

Die Fahrt auf der Interstate 90 und ab Ritzville auf dem Hwy 395 bis Tri-Cities / Richland führt durch eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Riesige Felder mit Getreide, Zwiebeln und Alfafa (Lucerne) prägen die relativ flache Landschaft des Columbia Plateau, nur selten unterbrochen von wenigen Häusern und kleinen Orten. Touristisch bieten die drei Städte „Tri-Cities" am Columbia River gar nichts, aber sie haben eine interessante Vergangenheit. In Richland wurde ab 1943 an der Atombombe gearbeitet und in der Kernforschungsanlage Hanford Site Plutonium produziert. Der letzte Reaktor wurde 1987 abgeschaltet. Es gibt offizielle Dokumente der Regierung, wonach die Anlage bedeutende Mengen an radioaktivem Material in die Luft und in den Columbia River emittiert hat. Beseitigung der Umweltschäden und –belastungen steht heute auf dem Programm ebenso wie Forschung zur Atommüllbeseitigung. Die gigantische Anlage ist zu besichtigen, allerdings sind nicht alle Touren für Touristen offen (www.hanford.gov).
 
Das Yakima Valley von Prosser im Süden bis zur Handelsstadt Yakima hat sich zu einem intensiv genutzten Weinbau und Obstplantagen-Gebiet entwickelt. In Prosser lohnt es sich, im dortigen Visitor Center / Chamber of Commerce (1230 Bennett Ave.) eine Karte mit den Wineries zu holen, sonst findet man die versteckt liegenden Gebäude nicht so leicht (prosserchamber.org). Um einen Eindruck vom Yakima Valley zu bekommen, sollte man die Interstate 82 nach Norden Ausfahrt 73 verlassen und den alten Yakima Valley Hwy nehmen. Die meisten Weingüter befinden sich auf der nördlichen Seite der Verkehrsachse, in den fruchtbaren Rattlesnake Hills. Erst seit den 1970er-Jahren wird in der Region Wein angebaut, aber gleich mit guten Ergebnissen, was dazu führte, dass Washington heute an zweiter Stelle nach Kalifornien gemessen an der Menge des produzierten Weins steht. 17,4 Stunden Sonnenschein pro Tag im Sommer sowie richtig kalte Nächte zur Erntezeit, das sind beste Voraussetzungen für die Produktion von hochwertigen Rot- und Weißweinen. 2004 hat die Washington Wine Kommission ein neues Markenzeichen kreiert: "Washington State – the Perfect Climate for Wine", damit sollen die Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Chardonnay, Riesling, Sauvignon Blanc und Semillion Weine noch gezielter vermarktet werden. Wer die kalifornischen Anbaugebiete Napa und Sonoma Valley kennt, wird im südöstlichen Washington mit der Herausforderung konfrontiert, die in den Broschüren verzeichneten Weinkellereien und Probierstuben auch zu finden. Sie liegen oft weit voneinander entfernt und die Beschilderung lässt noch etwas zu wünschen übrig.
 

Yakima

Die Kleinstadt Yakima hat sich zu einem sehr erfolgreichen Handelszentrum für Wein und Obst entwickelt. Zudem ist auch Hopfen immer wichtiger geworden, rd 70% der gesamten Hopfenproduktion der USA kommt aus dieser Region. Seit den 1940er-Jahren sind viele Menschen aus Mexiko zum Pflücken in das Valley gekommen, heute stellen sie ein Viertel der Bevölkerung. Die Stadt selbst bietet außer einigen Kirchen und nur wenigen historischen Bauten nicht viel Reizvolles, aber aufgrund der vielen Geschäfte, die hier getätigt werden, gibt es eine verhältnismäßig große Anzahl an Hotels und Möglichkeiten zum Shoppen (visityakima.com).

Ellensburg

Nicht von ungefähr sitzt ein Bulle als Skulptur auf einer Parkbank mitten in der Kleinstadt Ellensburg. Mit einer Portion Humor wird hier vermittelt, um was es in der Hauptstadt des Kittitas Valley geht: Viehzucht und Rodeo. Zum alljährlichen Rodeo am Wochenende vor dem Labour Day (1. Montag im September) strömen Reiter/ Cowboys und –girls aus der weiten Umgebung zusammen, um seit 1923 einem Vergnügen zu frönen, das schon die Vorfahren genossen. Die Tradition des "Wild West" wird hier noch hoch gehalten, auch im restlichen Jahr sind Männer mit Stetson und Cowboystiefeln zu sehen und es handelt sich nicht nur um Touristen. Auch im Juli ist viel los in Ellensburg. Der Whisky Dick Triathlon findet am 3. Sonntag im Juli statt, dazu gehört Schwimmen im Columbia River bei Vantage, Fahrrad fahren über den Whisky Dick (780 m) bis Ellensburg und dort laufen (whiskydick.com). Und auch musikalisch wird einiges auf die Beine gestellt, Ende des Monats belebt das Jazz Festival den ländlichen Ort (JazzintheValley.com).

Leavenworth - bayerische Folklore

Als deutscher oder österreichischer Tourist mag einem das alpine Flair von Leavenworth etwas merkwürdig vorkommen, aber als Strategie gegen den Niedergang einer ehemaligen Holzfällersiedlung war die allmähliche Verwandlung in ein „bayerisches“ Dorf erfolgreich. Mehr als 1 Mio. Besucher goutieren die Alpenromantik und haben so dazu beigetragen, Tourismus zur Haupteinnahmequelle der ca 2.200 Einwohner werden zu lassen. Die Alpenarchitektur mit Lüftlmalerei und Holzbalkonen hat dem Ort ein neues Flair gegeben. Damit nicht genug, wurden die Speisekarten der Restaurants mit Wiener Schnitzel und Sauerkraut angepasst und auch ein kühles Hefeweizen ist überall zu haben. Der Tanz um den Maibaum fehlt natürlich ebenso wenig wie Akkordeonkonzerte, Bierwagenumzüge oder ein kleines “Oktoberfest” und ein „Kristkindlmarkt“ im November (leavenworth.org).

Auf dem Steven Pass Greenway zurück nach Seattle

Der Hwy 2 ist als Scenic Byway mit dem Namen Steven Pass Greenway ausgewiesen. Er führt durch die Alpine Lake Wilderness am Skykomish River entlang durch eine menschenleere, dicht bewaldete Landschaft. Parkplätze für spektakuläre Ausblicke und Einstiege in beschilderte Wanderwege bieten immer wieder Gelegenheit zum Anhalten, bevor man wieder in die belebte und dicht befahrene Region um Seattle eintaucht.

Reiseroute North Cascades National Park, Spokane, Yakima Valley, WA
Reiseroute North Cascades National Park, Spokane, Yakima Valley, WA