Von Portland nach Salem

Willamette Valley

Von der umweltfreundlichen Brückenstadt Portland aus führt die Rundtour zunächst nach Süden, zur traditionsbewussten Hauptstadt Salem. Den Weg dorthin kann man rasch auf der Interstate 5 zurücklegen oder westlich der Autobahn die Weinbaugebiete des Willamette Valley besichtigen. Am besten besorgt man sich eine Übersichtskarte im Visitor Center schon in Portland oder in Newberg (chehalemvalley.org). Es gibt sechs größere Anbauregionen auf einem Gebiet von 241 km Länge und 96 km Breite bis nach Eugene und da sie nicht nebeneinander liegen wie im Napa Valley in Kalifornien, ist eine Auswahl nach Karte ratsam. Pinot Noir und Pinot Gris sind die beiden wichtigsten Rebsorten, aber auch Merlot, Syrah, Riesling und Müller-Thurgau werden seit den 1970er Jahren mit Erfolg angebaut (oregonwine.org, willamettewines.com).

Salem

Die Innenstadt mit ihren roten Backsteinhäusern aus dem 19. Jh (National Historic District) lohnt einen kurzen Besuch. Im Mittelpunkt steht das 1869 errichtete Reed Opera House mit italienischen Stilelementen, früher mal das kulturelle Zentrum der Kommune, heute allerdings nur eine kleine Shopping Mall mit Bistros und einem Theater (reedoperahouse.com). Als Hauptstadt weist Salem natürlich auch ein State Capitol auf, das weiße, aus Vermonter Marmor gebaute Regierungsgebäude stammt aus dem Jahr 1938. Der Turm mit der Golden Pioneer–Statue ist als Aussichtssturm geeignet, dort hat man  einen guten Überblick über die Stadt (vist-the-capitol). Nicht weit vom Capitol entfernt befindet sich die Willamette Universität, die älteste des Westens und ursprünglich aus einer Missionsschule entstanden. Interessant dort ist das Hallie Ford Museum of the Art, dort fordert eine Präsentation indianischer Körbe und Schnitzereien sowie griechischer Vasen, ägyptischer Totenmasken und einiger Zeichnungen von Auguste Rodin zu interessanten Vergleichen heraus (willamette.edu/museum_of_art).
Das lokale Visitor Center befindet sich im Mission Hill Museum, auf der anderen Seite des Campus (travelsalem.com).

Von Salem nach Bend

Cascade Range

Von Salem führt der Hwy US 22 über die Berge der Cascade Range nach Bend, einer prosperierenden Kleinstadt am Rand der Halbwüste des Columbia Plateaus. Die Fahrt dorthin ist landschaftlich reizvoll und ziemlich menschenleer, nur wenige kleinste Orte säumen die Strecke. Kurz vor Bend liegt Sisters am Hwy 20. Die kleine Westernstadt ist eine Art lebendiges Museum mit gut restaurierten Holzhäusern aus dem frühen 19. Jh. Einige Guest-Ranches und kleinere Hotels mit Cabins haben dazu beigetragen, dass der Ort vom Tourismus leben kann. Von hier aus lassen sich gut Ausflüge in den Deschutes National Forest mit den vielen Seen westlich des Mt. Bachelor oder der Three Sisters unternehmen. Mitte Juni findet das jährliche Rodeo in Sisters statt, (sistersrodeo.com) und  Anfang September ein Folkfestival nicht nur mit amerikanischen, sondern auch kanadischen und australischen Künstlern (sistersfolkfestival.com).

Bend

Die mittelgroße Stadt entwickelt sich immer mehr zum wirtschaftlichen Mittelpunkt von Central Oregon, es lohnt sich dort einzukaufen und ein wenig zu relaxen im Drake Park am Deschutes River. In jüngster Zeit haben sich eine ganze Reihe von Galerien und Kunstgewerbeläden etabliert, die vorwiegend moderne Kunst aus Oregon präsentieren (visitbend.com/Bend_Oregon_Activities_Recreation/Shopping-Stores-Shops/Art-Galleries/). Ein besonderer Spaß ist ein Picknick auf dem Hausberg der Stadt, dem Pilot Butte östlich vom die Stadt durchziehenden US 97 (oder Bend Parkway). Er ist zwar nur 150 m hoch, aber die schmale Zugangsstraße windet sich spiralförmig um den Berg und muss mit ambitionierten Joggern und Hundebesitzern geteilt werden. Da Bend ansonsten sehr flach ist, bietet der Vulkan eine wunderbare Rundumsicht weit in die Cascades und das östliche Oregon. Außer ein paar Bänken gibt es dort allerdings nichts (visitbend.com).

Zum John Day Fossil Beds National Monument

In der Mitte Oregons liegen die farbigen Hügel des John Day Fossil Beds National Monument, eine bizarre Landschaft und Fundgrube für Archäologen. Insgesamt 5 665 ha umfasst das Gelände dieses geschützten Gebiets, besonders lohnenswert ist der Besuch der Painted Hills. Diese Felsformationen leuchten in ungewöhnlichen Farben wie hellblau oder in Schichten von gelb und rot. Wie sanft gefaltete Tücher wirken die Hügel, am besten kommen sie in der Nachmittagssonne zur Geltung.
Die Zufahrt in dieses Gebiet ist nur über die County Road nördlich von Michell aus möglich. Vom Parkplatz aus hat man schon einen guten Ausblick auf die farbigen Felsen, dort startet auch der kurze Overlook Trail. Einen ganz anderen Eindruck machen die roten Lavahügel etwas nördlich, der Painted Cove Trail führt auf Holzplanken ganz nah an diesen einzigartigen Gesteinen entlang. Einen Überblick quasi aus der Vogelperspektive verschafft der Carroll Rim Trail, der 2,5 km auf eine Erhöhung führt. Ein Visitor Center findet sich erst im dritten zugänglichen Teil, der Sheep Rock Unit zwischen den Orten Kimberly und Dayville. In Sheep Rock ist der Island in Time Trail interessant, er führt zu einer Art Amphitheater aus Stein in der Blue Basin Area. Hier sind entlang des nur 1,6 km kurzen Wegs zahlreiche Nachbildungen von Fossilien angebracht (nps.gov/joda).

In die Cowboystadt Pendleton

Vorbei an verlassenen Geisterstädten geht es weiter nach Norden, nach Pendleton (pendleton-oregon.org). Geprägt von einer aufregenden Vergangenheit als wilde Minen- und Cowboystadt, gibt es hier im September ein großes Rodeo und unter den Straßen Tunnels mit ehemaligen Bordellen und Bars. Um sich Cowboy/girl-gerecht einzukleiden, ist Pendleton genau die richtige Adresse. Fotos der Rodeo-Wettbewerbe, Pokale und sogar ein ausgestopftes Pferd sind in der Hall of Fame zu bewundern. Die andere Seite des Wilden Westens ist in Pendleton ebenso zu erleben, die Stadt rühmt sich, einst die Hochburg des Vergnügens im östlichen Oregon gewesen zu sein. Dazu gehörten mal 32 Bars, 18 Bordelle und diverse Spielhöllen ebenso wie das Gefängnis oder die chinesische Wäscherei, in Pendleton befanden sich die meisten dieser Einrichtungen unter der Erde. Ursprünglich waren die Tunnel als Verbindungen der diversen Geschäfte angelegt worden, aber während der Prohibition waren sie ganz vorzüglich geeignet, Vergnügungen aller Art möglichst unbeobachtet nachgehen zu können. Mit einer Stadtführung Pendleton Underground lernt man diese Stätten höchst unterhaltsam kennen(pendletonundergroundtours.org – nur März bis Oktober).

Am Columbia River entlang nach Portland

Maryhill Museum

In den 1920er Jahren entstand das Maryhill Museum am nördlichen Ufer des Columbia River, benannt nach der rumänischen Königin Marie, die 1926 zur Einweihung kam. Der Geschäftsmann Samuel Hill ließ sein oberhalb des Flusses bei Maryhill liegendes Gebäude mit Kunstwerken der Jahrhundertwende, insbesondere Skulpturen von Auguste Rodin ausstatten. Ebenso bemerkenswert ist eine originalgetreue Kopie aus Beton von Stonehenge, die rd. 6,5 km vom Haus entfernt errichtet wurde. Die der mystischen Stätte in Englands Süden nachgebaute ist kleiner als das Original und soll ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs sein (Brücke Hwy 97 - maryhillmuseum.org).
 
Man kann dann auf der nördlichen Seite auf dem Hwy 14 (Lewis & Clark Hwy) weiterfahren bis The Dalles und dort wieder den Fluss auf dem Hwy 197 überqueren.
 

The Dalles

Die Kleinstadt The Dalles ist nicht sonderlich attraktiv, bietet aber mit vielen Malls Einkaufsmöglichkeiten. Seit der Internetkonzern Google 2007 sein Datenzentrum eröffnet hat, boomt die Stadt. Lohnend ist ein Besuch des Columbia Gorge Discovery Center, wo die Geschichte der langen Schlucht ebenso kenntnisreich dokumentiert ist wie die des Oregon Trail, der sich in dieser Gegend aufteilte. Die Ausstellungen umfassen von den vulkanischen Erschütterungen der Region über das Leben und die Kultur der Native Americans bis hin zur modernen Erschließung durch die Staudämme alles Interessante, so dass sich hier leicht ein halber Tag verbringen lässt (gorgediscovery.org).

Hood River

Die kleine Stadt direkt am Fluss hat sich einen Ruf als einer der besten Orte für Windsurfer aufgebaut. Seit einigen Jahren kommen vorwiegend junge Leute hierher und haben dazu beigetragen, der kleinen Kommune am hügeligen Ufer ein ganz eigenes Flair zu geben. Zahlreiche Cafes und Kneipen schaffen diese entspannte Atmosphäre ebenso wie die vielen Geschäfte für alle Arten von Sportkleidung und Equipment (hoodriver.org).
In unmittelbarer Nachbarschaft von Hood River liegt das Columbia Gorge Hotel, ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1921, das ein wenig wie ein italienisches Landhaus anmutet. Der Holzbaron Simon Benson ließ das Hotel auf einer Klippe über dem Strom errichten, es galt damals als das „Waldorf of the West“. Stars der Kinowelt und Politiker sind hier abgestiegen, das modernisierte Haus hat sich ein Stück dieser Vergangenheit bewahrt und den Garten mit einem Wasserfall kann man jederzeit besichtigen (columbiagorgehotel.com).

Fruit Loop und die Timberline Lodge

Wer günstig Obst und Gemüse einkaufen möchte, dem sei der Fruit Loop, ein insgesamt 56 km umfassender Rundweg empfohlen (hoodriverfruitloop.com). Von Hood River führt die Strecke auf dem Hwy 35 nach Parkdale und von dort zurück auf dem Dee Hwy 281 in die Kleinstadt. Je nach Jahreszeit werden Kirschen, Blaubeeren, Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel und Birnen angeboten, meist frisch am Morgen gepflückt. Zudem backen die Mitglieder am Loop auch Kuchen, stellen Fruchtwein und Honig her, selbst Lavendelseife ist zu finden. Sogar ein kleines BBQ bietet der Apple Valley Country Store, ein traditionsreiches Geschäft, das nach Großmutters Rezepten gefertigte Marmelade, Säfte, Gelees, Saucen und Kuchen verkauft (2363 Tucker Road, applevalleystore.com). Nicht alle Stände und Geschäfte entlang der Strecke sind ganzjährig geöffnet, auf jeden Fall aber von April bis Oktober.
 
Etwas weiter südlich liegt der Mt. Hood National Forest, ein alpiner Wald um den 3.427 m hohen Vulkankegel des Mt. Hood, dem höchsten Berg von Oregon (mthoodterritory.com). Im Skiort Government Camp mit vielen kleineren Hotels steht die Timberline Lodge, ein wunderschönes Berghotel auf knapp 2 000 m Höhe. Der rustikale Baustil mit Gesteinsblöcken aus der Umgebung und die massiven handgearbeiteten Holzmöbel erinnern an eine Burg, zumal die zahlreichen Kamine in den Aufenthaltsräumen auch zum heizen genutzt werden und immer in Betrieb sind. Timberline Lodge ist ein National Landmark, weil sie 1937 unter Präsident Roosevelt's New Deal von Arbeitslosen gebaut wurde, in der Rekordzeit von nur 15 Monaten. Anders als die Staudämme oder Straßen, die auch in diesem Programm errichtet wurden, wurde das Hotel gezielt für die Förderung des Tourismus in der Region eingesetzt. Übrigens: Das Gebäude diente unter anderem als Kulisse für die Außenaufnahmen des 1980 gedrehten Films „Shining" von Stanley Kubrick nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King (timberlinelodge.com). 
 

Das Geheimnis des Lost Lake

Nicht ganz eine Stunde Fahrt von Hood River in die Berge findet sich eine wandelbare Landschaft. Im Winter und Frühjahr endet eine kurvige schmale Landstraße an einem See, dem Lost Lake. Aber im April/Mai beginnt er zu verschwinden und zwar durch ein großes Loch im Boden. Wie ein Schweizer Käse durchlöchert und von Tunneln durchzogen ist der Boden am Fuße des Vulkans Mt Hood. Wo sich sonst die Oberfläche des flachen Sees in der Sonne spiegelt, wächst im Sommer eine Wiese. Die herbstlichen Regenfälle und Schnee im Winter lassen wieder einen See entstehen, bis sich das Schauspiel im Frühjahr wiederholt. Die Schneeschmelze kann zwar nochmal so viel Wasser bringen, dass sich der See wieder füllt, aber spätestens wenn die Balance zwischen dem abfließenden und dem aufgenommenen Wasser nicht mehr stimmt, verschwindet der See wieder im Untergrund.

Historic Columbia River Highway

Parallel zur Interstate 84 gibt es noch einen Teil des alten Hwy von 1915, der von Dodson bis Troutdale führt. Die dort ziemlich enge und sehr kurvige Strecke erwies sich als zu unfallträchtig für den Durchgangsverkehr, deshalb wurde in den 1960er Jahren die Interstate gebaut und so ist der Historic Columbia River Highway heute die ideale Strecke, um die vielen Wasserfälle, Kliffs, Aussichtspunkte und Wälder zu genießen (Infos: bestgorge.com und columbiariverhighway.com).
 

Multnomah Falls

Unter den zahlreichen Wasserfällen, die direkt auf die Straße hinab zu stürzen scheinen und im Frühjahr mitunter den Einsatz der Scheibenwischer nötig machen, sind die zweistufigen Multnomah Falls die schönsten und spektakulärsten. Rd. 190 m tief fällt das Wasser, interessant ist dieser Wasserfall wegen eines natürlichen Beckens nach 100 m und der darüber führenden Brücke. Im Winter friert das herabstürzende Wasser manchmal, so dass sich bizarre Formationen bilden. Die Falls trocken nicht aus, Regen- und Schmelzwasser und eine unterirdische Quelle sorgen für stetige Wasserzufuhr.
 

Vista House

Freistehend auf einem Felsen rd. 224 m über dem Fluss überrascht ein ungewöhnliches Gebäude mitten in der bewaldeten Landschaft: das oktagonale Vista House. Der Bruder einer damals bekannten Dichterin – Emma Lazarus – ließ den Betonbau 1916 errichten, wie es heißt, „ als ein Denkmal für die ersten Siedler und einen Ruhepunkt für Reisende.“ Heute betreibt ein Freundeskreis (Friends of Vista House) das kleine Museum und manchmal kommt auch ein Oldsmobile vorbei, um die Fotos der vielen Besucher zu bereichern. (vistahouse.com).
Reiseroute in den Osten von Oregon
Reiseroute in den Osten von Oregon