Vom Regenwald zum Gletscher

Immerhin sieben National Parks hat British Columbia aufzuweisen. Sie umfassen so spektakuläre Landschaften wie die Gletscher und hohen Gipfel am Fuß südwestlichen Rocky Mountains bis hin zum bemoosten Regenwald an der Küste von Vancouver Island und den Haida Gwaii Inseln. 

Gulf Islands NP - Arbutus tree

Mit der Autofähre vom Festland nach Vancouver Island durchquert man die Inselwelt der Gulf Islands. Im Süden liegen die größeren Inseln wie North und South Pender, Prevost und Saturna, sie sind bewohnt, aber Teile von ihnen sind seit 2003 unter Schutz gestellt. Das milde Klima in diesem Teil der Strait of Georgia  - warm und trocken im Sommer, mäßig und nass im Winter – hat dazu beigetragen, hier eine auch in Kanada einzigartige Vegetation zu erhalten. Der immergrüne Arbutus und die weiße Garry Eiche gehören dazu, sie kommen nur im Süden von BC vor. Zu erreichen sind einige Insel mit BC Ferries, andere nur mit Booten oder Kajaks. Auch die unbewohnten kleineren Inseln haben Campingplätze, meist sind diese aber nur in der Zeit von Mitte Mai bis Ende September offen. 

Pacific Rim NP - Long Beach

Vom West Coast Trail auf Vancouver Island mag man als Wanderer schon etwas gelesen haben, von Port Renfrew bis Bamfield führt ein ca. 75 km Trail entlang der Küste durch den Regenwald. Dieser anspruchsvolle Wanderweg ist Teil des Pacific Rim National Park, ein weiterer Abschnitt ist der Long Beach zwischen Tofino und Ucluelet und als drittes Element ergänzen die mehr als 100 Inseln der Broken Group Islands das staatliche Schutzgebiet. Neben Baden und Surfen im kalten Pazifik (selbst im August nur Ø 15°C) am 20 km Strand von Long Beach, gehört Wandern auf den zum Teil befestigten Stegen durch den moosigen Regenwald zu den Aktivitäten in der Region. Die Broken Islands sind ein Paradies für Kajaker, ohne Karte macht sich dort allerdings niemand auf den Weg. 

Gwaii Haanas NP Reserve - blue seastar

"Inseln auf der Grenze zwischen zwei Welten" so bezeichnen die Haida Gwaii First Nations die ca 150 Inseln vor der Küste von BC (die ehemaligen Queen Charlotte Inseln). Grenzen verwischen auf diesem Archipel 150 km vom Festland entfernt, nicht nur die zwischen Wasser und Land, sondern auch die zwischen den Menschen und der spirituellen Welt. Jahrtausendelang unberührte Heimat der Indianer, war das ökologische Gleichgewicht im Regenwald durch intensive Abholzung massiv gestört. Seit 2009 haben die Inseln ihren indianischen Namen zurück, ein deutliches Zeichen für das gewachsene historische und kulturelle Bewusstsein der Haida. Reich an vielen Relikten und Artefakten aus früheren Zeiten, sind die Inseln auch Teil des kulturellen Erbes (Haida Heritage Site). 

Mt Revelstoke NP - Firetower

Auf dem Weg von Vancouver zum Icefields Parkway durchquert man gleich drei Nationalparks von British Columbia: den Mt Revelstoke, den Glacier NP of Canada und den Yoho, alle am Transcanada Highway gelegen. Die ca 260 qkm um den Mt Revelstoke sind schon seit 1914 ein geschützter Park, insbesondere um den alpinen Wiesen am Fuß des ca 1.938 m hohen Bergs, den Bighorn-Schafen und den Grizzlys ein Refugium zu bewahren. Vom Eisenbahn-Dorf Revelstoke führt eine sehr kurvige Straße ca eine Stunde den Berg hinauf, vom oben gelegenen Parkplatz aus kann man den Shuttle Bus des Parks bis zur Spitze nutzen.  Auf dem Gipfel gibt es einige sehr hübsche und relativ einfache Rundwanderungen mit herrlichen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt. Der Panoramablick ist vom Feuerwachtturm möglich.

Glacier NP of Canada - Bighorns

Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen NP in Nord Montana ist das zweitälteste Schutzgebiet westlich der Rockys in Kanada: der Glacier NP konnte 2011 schon sein 125. Jubiläum feiern. Im Westen regnet es mehr als im Osten des Gebirges, deshalb sind in diesem Gebiet ungewöhnliche Vegetationsformen zu finden: Zedern und Hemlock-Tannen des Küsten-Regenwaldes haben sich hier angesiedelt. Aber der Name ist angelehnt an die mehr als 400 Gletscher an den zerklüfteten Gipfeln der Selkirk-Berge. Rogers Pass auf 1.327 m Höhe bot den Ingenieuren der Canadian Pacific Railway die Möglichkeit, schon 1885 die Eisenbahnlinie fortzusetzen, die schließlich Montreal und Vancouver verband. Eine Straße durch diese wilde Landschaft wurde aber erst 1962 vollendet.

Yoho NP - Highway 1

Er ist nicht so berühmt wie der Lake Louise, aber mit dem grünen Schimmer des kleinen Bergsees unweit von Banff kann der Emerald Lake im Yoho Nationalpark durchaus mithalten. Der Takakkaw Wasserfall hat eine Zufahrt von Field aus, dort befindet sich auch das Visitor Center des Parks. Immerhin der dritthöchste Wasserfall Kanadas stürzt hier 254 m senkrecht eine Bergwand herab, nebenan gibt es einen 35 Platz-Campground. Ungewöhnliche Gesteinsformationen sind die „Hoodoos",  in der Nähe der Wapta Falls stehen die hohen Steelen aus Eiszeitschutt, bei Dämmerung wirken sie wie gigantische dünne Skulpturen. Immerhin 28 Gipfel dieses Parks sind höher als 3.000 m, das ewige Eis der Gletscher findet sich entlang der „Great Divide" im Nordosten des Parks. 

Der Abwechslungsreichtum im Kootenay Nationalpark südwestlich von Banff ist für diese Region bemerkenswert: Gletscher, Bergwälder und –wiesen sind hier ebenso zu finden wie rote Sandsteinklippen, Trockengebiete mit Kakteen und heiße Quellen bei Radium Hot Springs. Mit ca 1.400 qkm gehört der Park am HW 93 zu den größeren der Provinz, er hat allerdings nur vier Campingplätze mit rd. 430 Stellplätzen aufzuweisen. Dafür kann das vielseitige Gebiet in den verschiedenen Höhenlagen bis 3.400 m mit extrem unterschiedlichen Vegetationen aufwarten. Und die heimische Tierwelt hat sich dank des fast 100jährigen Schutzes regeneriert, größere Populationen von Schwarz- und Braunbären, Wölfen, Koyoten, Luchsen, Berglöwen (Pumas), Hirschen, Elchen und Dickhornschafen sind im Park anzutreffen.